Im September 2019 haben sich Sonja (58) und Michael Tesler (56) dazu entscheiden, statt in Bayern im sonnigen Alanya in der Provinz Antalya in der Türkei zu leben. Darum haben sie dort eine Eigentumswohnung erworben, die nun ihr Zuhause geworden ist. Am Samstag kamen ihre Freunde aus Deutschland, die Familie Ott, für drei Wochen zu Besuch. Alle vier Deutschen sind sich einig: „Es ist eine Sauerei, was Deutschland in Sachen Reisewarnung mit der Türkei macht.“

Die Teslers, die seit rund neun Monaten in Alanya in der Provinz Antalya leben, waren schon vor dem Erwerb von Wohneigentum erklärte Fans der Türkei. Sie haben die Corona-Zeit in der Türkei erlebt und sind darum, im Wissen um die Maßnahmen, welche vom Land gegen Covid-19 unternommen wurden, massiv verärgert, dass die Reisewarnung aufrecht gehalten wird. Michael Tesler: „Wir haben die Maßnahmen hier erlebt. Es ist alles getan worden. Sogar den Menschen aus Deutschland, bei denen die Krankenkasse eine Behandlung nicht bezahlen würde, zahlt die Türkei das Krankenhaus, wenn sie erkranken. Wer macht das sonst? Frankreich nicht, Italien nicht, Spanien nicht. Bei der Warnung geht es doch rein ums Geld, was in Europa bleiben soll. Das Ganze geht ins Politische.“ Sonja und Michael Tesler fühlen sich in ihrer Wahlheimat Alanya rundum sicher und geschützt.

„Wir fühlen mit den Menschen – den Ladenbesitzern und Hoteliers“

Nicht anders geht es der Familie Ott, die am Samstag mit einer Maschine von SunExpress aus München zum Flughafen Antalya kam. Hier werden sie drei Wochen Urlaub bei der Familie Tesler verbringen. Wolfgang Ott (52) und Birgit Ott (46) kommen seit zwei Jahren regelmäßig in die Türkei, haben sich vor Ort bereits einen Freundeskreis aufbauen können. Auf die Frage, wie sie das Ein- und Auschecken sowie den Flug erlebt haben, sagten Wolfgang und Birgit Ott: „Der Flughafen war so gut wie leer. Wo sonst Tausende zu sehen sind, waren gefühlt unter 100 Menschen. Es gab zwei Kameras und wir hatten ein Formular mit Kontaktdaten auszufüllen. Es waren alle Menschen sehr diszipliniert. Es wurde Maske getragen und die Anstandsregeln eingehalten.“

Birgit und Wolfgang Ott aus Bayern – hier in Alanya

Auch den Flug selbst nahm Familie Ott sehr stressfrei wahr. „Im Flugzeug wurde Maske getragen, es wurden Sitzreihen für Paare vergeben und Einzelpersonen saßen allein. Auch wurde sich an alle Regeln gehalten und die Formulare sind eingesammelt worden. Am Flughafen in Antalya war ebenso alles sehr entspannt. Auch hier gab es Kameras, alles wurde desinfiziert und die Menschen blieben auf Distanz – trotz Schutzmaske.“ Nun kennen die Otts die Türkei und haben entsprechend auch Vergleichsmöglichkeiten. Doch wie nehmen sie den Unterschied wahr? „Ungewohnt ist, dass es recht menschenleer ist – jedenfalls verglichen mit den anderen Jahren. Am Strand gibt es keine Pflicht, die Maske zu tragen und natürlich auch nicht im Wasser. Liegen stehen auf Abstand, man hält sich an alle Regeln des Social Distancing und wir fühlen uns hier sicherer als in Deutschland, wenn wir ehrlich sind. Alle Menschen halten sich hier in Alanya an Vorgaben und sind sehr diszipliniert. Wir fühlen mit den Menschen – den Ladenbesitzern und Hoteliers. Sie sind alle so bemüht, so um unsere Sicherheit bedacht und denen gehen vielleicht durch die Reisewarnung Einnahmen verloren.“

„Wir fühlen uns in der Türkei sicherer als in Deutschland“

Ein großes Thema im Urlaub ist – was auch sonst – das Shopping und das Essen. Auffällig auch hier, dass die Malls nicht so stark frequentiert sind wie in den Jahren zuvor. Doch auch dabei fiel den Otts auf, dass „sich alle Menschen in den Malls an die Maskenpflicht halten“. Birgit Ott: „Es gibt nur einen Eingang zu den Malls, es wird die Temperatur zum Beispiel im Restaurant gemessen und überall gibt es Desinfektionsmittel. In den Geschäften gehen die Angestellten auch auf Distanz, tragen Masken. Obwohl sie Einnahmen brauchen, sind die Verkäuferinnen und Verkäufer sehr zurückhaltend. Das gilt auch beim Essen. Zum Frühstück hatten wir eine Art Buffet – nur an unserem Tisch und nur für uns. Es war einfach hervorragend.“ Gerade das Messen der Temperatur empfinden die Otts als zusätzliche Sicherheit und sorgt dafür, „dass wir uns in der Türkei sicherer als in Deutschland fühlen“.

Und auch bei Familie Ott überwiegt das völlige Unverständnis, wieso Reisewarnungen für Frankreich, Italien oder Spanien aufgehoben werden, während die Türkei sich weiter unter der Warnung sieht. Wolfgang Ott: „Von den Bildern, die ich im Netz gesehen habe, würde ich derzeit nicht nach Frankreich reisen. Wenn ich das mit hier in Alanya vergleich, ist das ein riesiger Unterschied. Und ich fühle mich hier sicher.“ Frau Ott schloss sich dem an: „Wir mussten nach dem Lockdown raus und hier ist es für uns sicher. Wir haben vorher mit unseren Freunden gesprochen und auch ich, die ich unter Vorerkrankungen leide, habe hier keine Minute Angst oder Sorge. Wir genießen unseren Urlaub in Sicherheit, nachdem wir so lange in Bayern im Lockdown waren.“ Hürriyet.de wünscht beiden Familien eine gute Zeit und einen erholsamen Urlaub.